Call for Papers für den Workshop: Das Verständnis von Leben in der Debatte um die Synthetische Biologie

Die Synthetische Biologie polarisiert. Ihre neue, ingenieurwissenschaftliche Herangehensweise an Lebewesen und ihr Vorhaben, „künstliches Leben herzustellen“, gilt für die einen als ein zukunftsträchtiges Großprojekt, bei dem zahlreiche neue technologische Anwendungen und ein tieferes naturwissenschaftliches Verständnis des Lebens in Aussicht stehen. Für andere klingt das Ansinnen der Synthetischen Biologie nach einer fragwürdigen Grenzüberschreitung der Naturwissenschaft. So wurde beispielsweise die Arbeit der Forschergruppe um Craig Venter mit den Worten kommentiert, hier würden Wissenschaftler „Gott spielen“ und der „Schöpfungsakt“ läge nun in der Hand des Menschen.

Diese Anspielungen sind per se nicht wertneutral, sondern artikulieren ethische Intuitionen und Urteile. Dabei wird insbesondere auch deutlich, dass sich die Diskussion um neue Technologien nicht notwendig in Risikodiskursen erschöpft, sondern in ihrem Rahmen grundlegende Fragen danach gestellt werden, was wir unter Leben verstehen und welche Bedeutung wir ihm beimessen. Die Synthetische Biologie scheint – ausgehend von einem biologisch-naturwissenschaftlichen Lebensbegriff – andere Antworten finden zu wollen als klassischerweise Philosophie und Theologie. Bei all dem stehen biologische, philosophische und theologische Zugänge gleichzeitig in einem Spannungsverhältnis zu dem, wie wir unser eigenes menschliches Leben alltäglich verstehen und begreifen.

Call for Papers

Das Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften (TTN) veranstaltet vom 10. bis 13. Februar 2014 einen interdisziplinären Workshop, bei dem die Diskussion um die Synthetische Biologie zum Anlass genommen werden soll, das Lebensverständnis im Spannungsfeld zwischen Alltagskultur der Menschen, geistes- wie naturwissenschaftlicher Theorieebene und naturwissenschaftlicher Forschungspraxis zu erörtern. Das hier sichtbar werdende Verständigungsdefizit zwischen den unterschiedlichen Zugängen zum „Leben“ lädt zudem dazu ein, grundsätzliche Fragen nach den Beziehungen zwischen Kirche, Gesellschaft und Wissenschaft zu reflektieren. Eine fokussierende Perspektive und den Rahmen für einen Dialog kann die Ethik bereitstellen – eine Disziplin, die traditionell und auf vielen Feldern vermittelnd und abwägend zwischen Wissenschaft und Alltag steht.

Themenbereiche des Workshops

Im Workshop werden folgende Themenbereiche mitsamt ihrer Überschneidungen behandelt:

  • Perspektiven der Synthetischen Biologie: Naturwissenschaftliche Grundlagen, Anwendungsperspektiven, Erwartungen
  • Verschiedene Dimensionen des Lebensbegriffs in Biologie, Theologie und Philosophie
  • Politische Bedeutung der Debatte um das „Leben“
  • Schöpfung und Forschung – der theologische Umgang mit Grenzen und Grenzüberschreitungen
  • Aufgaben und Standpunkte der Ethik in der Debatte um die Synthetische Biologie

Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus den Lebenswissenschaften, der Philosophie, der Theologie, den Sozialwissenschaften und der Geschichtswissenschaft sind herzlich dazu eingeladen, sich für die Teilnahme am Workshop zu bewerben.

Hinweise zur Einreichung

Bitte schicken Sie uns dazu per E-Mail ein kurzes Abstract (ca. 300 Wörter) für einen Beitrag zu einem der genannten Themenbereiche, den sie im Rahmen des Workshops präsentieren möchten. Außerdem bitten wir um die Zusendung eines Lebenslaufes.

Veranstaltungsort und Kosten

Der Workshop wird im Studienhaus Schönwag bei Weilheim in Oberbayern stattfinden . Die Kosten für Unterbringung und Verpflegung werden vom Veranstalter übernommen, Reisekosten müssen von den Teilnehmern getragen werden.

Kontakt

Wissenschaftliche Koordination und Kontakt
Stefanie Herresthal M.A.: stefanie.herresthal[at]gmx.de (Einsendung der Abstracts)
Tobias Graßmann: tobias.grassmann[at]gmx.de