Ökumenischer Kirchentag setzt sich für Dialog zwischen Naturwissenschaften und Theologie ein

Auf dem Ökumenischen Kirchentag in München waren die zahlreichen Podien und Diskussionsrunden im Zentrum "Dialog mit den Wissenschaften" überraschend gut besucht. Hochkarätige Vorträge und engagierte Vertreter aus Forschung, Kliniken und Universität und Politik machten deutlich, dass der Dialog zwischen Naturwissenschaften und Theologie längst in eine Phase neuer Nachdenklichkeit eingetreten ist. Jenseits der Rituale öffentlicher Konfliktinszenierung geht es darum, die Komplexität von Forschung, aber auch von politischer Einflussnahme und individueller Lebensführung wahrzunehmen und vor vorschneller Moralisierung zu schützen. Damit setzte der Ökumenische Kirchentag in München ein deutliches Zeichen für eine Vertiefung des Dialogs zwischen Technik, Theologie und Naturwissenschaften. Bilder vom TTN-Engagement auf dem Kirchentag finden Sie hier: "TTN am Kirchentag - Bilder"

TTN auf dem Kirchentag

Die Mitarbeiter, Freunde und Mitglieder von TTN waren auf zahlreichen Veranstaltungen des Kirchentags vertreten. Auf der Schlussdiskussion im Zentrum "Dialog mit den Wissenschaften" diskutierten unter der Moderation des TTN-Geschäftsführers Stephan Schleissing die Wissenschaftler Patrick Cramer (Direktor der Genzentrums München) Detlef Ganten (Gründungsdirektor Max-Delbrück-Zentrum), Reiner Anselm (Theologe), Wolfgang Hiddemann (Direktor Klinikum Großhadern) und Christian Kummer (Naturphilosoph) das Thema: "Das Leben - Wunder oder Maschine?".

Dialog zwischen Naturwissenschaften und Theologie gefordert

Dabei sprachen sich die Teilnehmer des Podiums für einen intensiveren Dialog zwischen Naturwissenschaft und Theologie aus. "Die Naturwissenschaft kann nur sagen, was machbar ist - wie wir damit umgehen sollen, können wir mit unseren Methoden nicht sagen", betont Patrick Cramer, Direktor des Genzentrums München. Nötig sei auch der Austausch mit den großen Gruppen der Gesellschaft, insbesondere den Kirchen, "um das, was möglich ist, zu bewerten." Der geforderte Dialog sei allerdings derzeit nicht selbstverständlich, betonte der Jesuit Christian Kummer, Philosoph und Biologe. "Mein Eindruck ist, dass es eine zunehmende Berührungsangst insbesondere von kirchlichen Amtsträgern gegenüber der Naturwissenschaft gibt", erklärte Kummer, der an der Hochschule der Jesuiten in München lehrt.

Für sensiblen Umgang mit Wissen aus genetischer Diagnostik

Der Münchner Medizinprofessor Wolfgang Hiddemann plädierte für einen sensiblen Umgang mit Diagnostik. Einerseits könne es sehr wichtig sein, die Anlagen für Krankheiten frühzeitig zu erkennen, um wirksam helfen zu können, sagte Hiddemann auf dem Ökumenischen Kirchentag. Das gelte zum Beispiel für schwere Stoffwechselstörungen bei Kindern, die sich gezielt behandeln ließen. "Aber wenn ich etwa ein erhöhtes Brustkrebs-Risiko erkenne - was mach ich dann mit dieser Information?", fragte der Mediziner und berichtete von Fällen, in denen Frauen allein wegen eines festgestellten Risikos beide Brüste abgenommen wurden. Wissen sei nicht an sich gut oder schlecht: "Ich muss unbedingt im Vorfeld klären: Will ich etwas wissen - und was tue ich dann damit?" Hier brauche die Medizin dringend den Austausch mit anderen Wissenschaften wie der Theologie.

Veranstaltungen

Mitarbeiter von  TTN waren an folgenden Veranstaltungen beteiligt:

  • "Eine Expedition ins Innere unseres Gehirns"
  • "Die Zukunft unseres Gehirns"
  • "Auf der Suche nach dem Gedächtnis"
  • "Hören kann jeder?! Medizinische Möglichkeiten und soziale Identität am Beispiel von Hörschädigung – Chance oder Widerspruch?"
  • "Stammzellforschung – damit wir Hoffnung haben?"
  • "Das Leben – Wunder oder Maschine? Lebenswissenschaften und Theologie im Gespräch“"
  • "Leben mit Demenz? Alzheimer besiegen!"

Bilder vom ÖKT

Hier geht es zu einigen Impressionen vom Kirchentag: "TTN am Kirchentag - Bilder"