Tagung Grüne Gentechnik: Mehr Forschung für mehr Sicherheit

Im Rahmen des Expertenhearings „Grüne Gentechnik: Prognose, Fortschritt oder Hybris?“ am 12. November 2009 in der Evangelischen Akademie Tutzing standen am Ende der Vorträge und Diskussionen vier klare Ergebnisse fest:

(1) Es braucht eine neue Diskussionskultur jenseits der üblichen Schwarz-Weiß-Malerei. (2) Für eine Versachlichung des Diskurses muss Grüne Gentechnik fallweise bewertet werden. Generalisierungen, wie sie die öffentliche Debatte prägen, sind nicht sinnvoll.  (3) Weitere ergebnisoffene natur- wie sozialwissenschaftliche (!) Forschung und ethische Begleitforschung sind daher unverzichtbar. (4) Die Debatte um die Grüne Gentechnik lässt sich theologisch nicht entscheiden. Die Veranstalter, das Institut TTN und der Umwelt- und Klimabeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, luden Experten ein, nicht nur über die Risiken und Chancen der Technologie, sondern insbesondere über die Rolle der Religion und der Kirchen zu diskutieren.

Prof. Markus Huppenbauer überraschte mit seinem Vortrag über den Begriff der Schöpfung. Der Schöpfungsbegriff, so der Theologe aus Zürich, ist in der Debatte um die Grüne Gentechnik nur bedingt hilfreich. Nur weil etwas von Gott gegeben ist, heißt dies nicht, dass wir die Hände davon lassen sollen. Schöpfungsbewahrung ist keine „Hands-off-Strategie“. Insofern lässt sich die Debatte um die grüne Gentechnik nicht theologisch entscheiden.

Die Präsidentin der Landessynode, Frau Dr. Deneke-Stoll, machte in ihrem Votum deutlich, dass bei Risikotechnologien wie der Grünen Gentechnik nur der sachliche Dialog zielführend sein kann. Insbesondere brauche es nicht nur naturwissenschaftliche, sondern auch ethische und sozialwissenschaftliche Forschung zum Thema.

Ähnlich äußerte sich Prof. Dr. Wenzel, Dekan des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der TU-München, dass das Schwarz-Weiß-Denken endlich überwunden und neue Formen des Diskurses gefunden werden sollten, die aus dem Lagerdenken herausführen.

Prof. Dr. Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland, kritisierte den Koalitionsvertrag der neuen Regierung: Er hält es für einen Skandal, dass mit der gentechnisch veränderten Kartoffel Amflora ein Einzelprodukt im Koalitionsvertrag hin-sichtlich seiner Markteinführung ausdrückliche Erwähnung findet.

Auf einen zentralen Aspekt konnten sich die über 120 Teilnehmer sowie die Vertreter auf dem Podium einigen: Die Frage, welche Risiken einer Gesellschaft zugemutet werden können, ist nicht Gegenstand und Entscheidung der Wissenschaft, sondern Aufgabe der Politik. Die Aufgabe von Christen und Kirchen besteht in dieser Situation darin, die fälligen Auseinandersetzung durch Sachverstand und eine Kultur des Vertrauens zu begleiten.

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Den ausführlichen Tagungsbericht finden Sie hier.