Münkler geht ins Theater - Weltverbesserer: Der schmale Grat zwischen Helfen und Scheitern

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Datum: 
23. Oktober 2009 - 20:00
Ort: 
Bayerisches Staatsschauspiel im Marstall

Herfried Münkler im Gespräch mit Rupert Neudeck und Generalleutnant a.D. Klaus Olshausen

Thematischer Ausgangspunkt des ersten politischen Salons ist die Figur des Don Quijote (Premiere von Don Quijote: 15.10.2009 im Cuvilliés Theater).
Don Quijote, der Mann aus La Mancha, will für Gerechtigkeit in der Welt sorgen und dem Guten zum Durchbruch verhelfen. Er tritt an, „die Königreiche zu verteidigen, die Jungfrauen zu beschützen, den Waisen und Minderjährigen beizustehen, die Hochmütigen zu züchtigen und die Demütigen zu belohnen“. Tatsächlich kämpft er gegen Windmühlenflügel und leistet sich allerhand Fehlschläge und Peinlichkeiten. Er ist der „Ritter von der traurigen Gestalt“, denn sein Idealbild der Welt ist Ritterromanen entnommen. Seine Realität misst er unverdrossen an einer noch nie verwirklichten Fiktion. Er interessiert sich nicht für die Wirklichkeit – und sie sich nicht für ihn. Das macht seine Tragik aus, die der Komik nicht entbehrt. Wir lächeln über ihn, aber wir lächeln nicht ohne Betrübnis.

Ist der Mann aus La Mancha das Symbol für die seit den 1990er Jahren praktizierten humanitär-militärischen Interventionen? Begonnen wurden sie im Zeichen hoher und hehrer Ziele, mit Blick auf eine Weltordnung, in der es Demokratie statt Diktaturen, Rechtsstaatlichkeit statt Völkermord, Vertreibung und Diskriminierung geben sollte. Ist das Ziel von Anfang an ein utopisches, nicht realitätstaugliches gewesen? Mittlerweile sind Milliarden investiert und Menschenleben geopfert worden, die Erfolge in den instabilen Regionen doch bescheiden, wenn man denn überhaupt von Erfolg reden kann. Längst werden die humanitären Aktionen von der eigenen Bevölkerung als kriegerische Handlungen wahrgenommen. Der jüngste Fall um Oberst Georg Klein, der mit dem Befehl zum Bombardement von Tanklasterdieben zivile Opfer in Kauf nahm, hat die Debatte kurz vor der Bundestagswahl neu entfacht. Fraglich scheint, ob angesichts der Wahlmanipulationen in Afghanistan die Demokratie nicht ein Windei ist. Sind angesichts diverser militärischer Fehlschläge, angesichts der massiven Skepsis der Bevölkerung, die eigentlich gerettet werden sollte, angesichts einer regressiven Entwicklung in Afghanistan und Irak, die den ursprünglichen Zielen der Intervenierenden Hohn spricht, die Anwesenheit der westlichen Truppen noch zu rechtfertigen? Ein Kampf gegen Windmühlenflügel auf dem Balkan und am Hindukusch? Steht der Westen vor einer Niederlage, die sein Selbstbewusstsein nachhaltig erschüttern und seine ordnungspolitische Rolle in der Welt dem Gelächter der anderen preisgeben wird?