Erwartungen und Bedenken

Erwartungen

Die Erwartungen an die Grüne Gentechnik werden meist in einer effizienteren Landwirtschaft gesehen. Befürworter sehen sie als Zukunftstechnologie, die einen wesentlichen Beitrag zur Lösung des Problems der Welternährung leisten kann. Zudem verspricht die Grüne Gentechnik eine ressourcenschonende und zugleich effiziente Landwirtschaft. Eine Übersicht möglicher Anwendungen lässt sich wie folgt darstellen:

  • Herbizidresistenz: GVO (z.B. Soja, Baumwolle, Mais) ist gegen ein bestimmtes Herbizid resistent, das die Beikräuter (Unkraut) vernichtet. Aufgrund der Resistenz überlebt der GVO.
  • BT-Technologie: Ein Gen des Mikroorganismus bacillus thuringiensis (BT) wird in die Pflanze übertragen. Mit Hilfe dieses Gens exprimiert der GVO ein Toxin, das Schädlinge – z.B. den Maiszünsler –  tötet. Aufgrund der schädlichen Wirkung auf andere Lebewesen wird die ökologische Unbedenklichkeit stark in Zweifel gezogen.
  • Erzeugung von transgenen Pflanzen, die sich gut als Lieferanten für nachwachsende Rohstoffe oder für Naturstoffe eignen (z.B. von Agrosprit aus Rapsöl mit verbrennungsgünstigeren Fettsäuren, Amylopektin aus Kartoffeln zur Herstellung von verrottbaren Kunststoffen und als Rohstoff für die Papier- und Textilindustrie, Pflanzenfasern z.B. für umweltfreundliches Bauen oder Polyester-Baumwolle für Textilien, pflanzlichen Fetten für die Industrie).
  • Anpassung von Nutzpflanzen an ungünstige Umweltbedingungen: z.B. Trockenheitstoleranz, Temperaturtoleranz, Salztoleranz; damit z.B. Nahrungsmittelerzeugung auch in den Trockengebieten der Sahelzone.
  • Biologische Stickstoff-Fixierung (Fernziel) bei Kulturpflanzen: Stickstoffaufnahme direkt aus der Luft ähnlich den Knöllchenbakterien bei Leguminosen; dadurch Einsparung von Dünger und Vermeidung von Überdüngung der Felder.
  • Verbesserung der Photosyntheseleistung (bessere Ausnutzung des Sonnenlichts), der Speicherfunktion, der Wasser- und Nährsalzausnutzung.
  • Herstellung von Arzneistoffen mit Hilfe von transgenen Pflanzen („pharming“, „protein farming“ oder „drug farming“) sowie in der Milch von transgenen Säugetieren; ebenso Produktion von Impfstoffen und pharmazeutisch verwendbaren Proteinen.
  • Bessere Futterverwertung bei Nutztieren (z.B. bei Rindern durch gentechnische Optimierung der Mikroorganismen im Pansen, so dass die Rinder z.B. Stroh besser verwerten können.
  • Bessere diagnostische Verfahren in der Züchtungskontrolle und bei Krankheiten von Nutzpflanzen und Nutztieren (z.B. mit Hilfe von Gensonden); damit gesündere Nutzpflanzen und Nutztieren (z.B. Abstammung von Rindern aus BSE-freien Beständen); bessere Herkunfts- und Qualitätskontrollen von Pflanzen und Tieren bzw. Nahrungsmitteln mit Hilfe der Gendiagnostik.
  • Schädlingsbekämpfung mit transgenen Bakterien oder Viren.

Anwendungsgebiete im Nahrungsmittelbereich

  • Nahrungsmittel, bei denen der Mensch Gene zu sich nimmt, die in dieser Form natürlicherweise nicht in den Nahrungsmitteln enthalten sind. Hierzu gehören insbesondere Nahrungsmittel, die selbst gentechnisch veränderte Organismen (GVOs) darstellen oder solche enthalten oder Teile (d.h. Zellen) von ihnen enthalten, die fähig sind, ihr gentechnisches Material zu vermehren oder zu übertragen.
  • Nahrungsmittel, die zerstörte bzw. inaktivierte Gene oder durch die angewandte Gentechnik veränderte Inhaltsstoffe enthalten bzw. enthalten können.
  • Nahrungsmittel, die keine veränderten Gene enthalten, bei denen jedoch Gentechnik im Lauf des Produktionsprozesses eine Rolle spielte.

Bedenken

Demgegenüber stehen die Bedenken gegen diese Technologie, die sich vor allem aufgrund der unkontrollierbaren Verbreitung veränderter Gene ergeben. Der Gentransfer, als Austausch genetischen Materials zwischen verschiedenen Lebewesen, spielt dabei eine wichtige Rolle. Dabei sind der vertikale und der horizontale Gentransfer zu unterscheiden.

Horizontaler Gentransfer

Der horizontale Gentransfer ist die Weitergabe bzw. Aufnahme genetischen Materials außerhalb der sexuellen Fortpflanzungswege und unabhängig von bestehenden Artgrenzen. Abhängig von bestimmten Voraussetzungen ist ein horizontaler Gentransfer - etwa von einer Pflanze auf ein Bodenbakterium - grundsätzlich möglich, aber ein unter natürlichen Bedingungen selten. Hieraus ergibt sich die Möglichkeit, dass etwa sogenannte Markergene von einer transgenen Pflanze an Boden- oder Darmbakterien weitergegeben werden. Da vor allem Antibiotikaresistenz-Gene als Marker verwendet werden, führt dies zu bedenklichen Risiken.

Vertikaler Gentransfer (Kreuzung)

Kreuzen sich zwei Pflanzen auf sexuellem Weg und geben dabei ihre Gene an die folgenden Generationen weiter, ist dieser Vorgang ein vertikaler Gentransfer. Üblicherweise wird dieser Gentransfer als Kreuzung bezeichnet.
Diese Genübertragung durch Pollen zwischen Pflanzen innerhalb einer Art oder Pflanzen verwandter Arten ist ein natürlicher Vorgang. Der Austausch von Krankheits- und Schädlingsresistenzen von Kulturpflanzenarten auf verwandte Wildarten und umgekehrt fand immer schon statt - unabhängig davon, wie diese Resistenzgene erworben wurden.

Durch Kreuzung von transgenen mit nicht-transgenen Kulturpflanzen nehmen letztere auch die eingeführten Genkonstrukte auf. Bei der Sicherheitsbewertung transgener Pflanzen ist die Möglichkeit der Auskreuzung des Fremdgens in nahe verwandte Wildpflanzenarten ein wichtiger Aspekt, der negative ökologische Auswirkungen beim Anbau transgener Kulturpflanzen hervorrufen könnte (in Europa besonders bei Raps, der als Kreuzblütler verwandte Wildpflanzenarten hat).

Zunächst ist daher zu prüfen, ob für die betrachtete transgene Kulturpflanze im Anbaugebiet eine verwandte Wildpflanzenart als Auskreuzungspartner zur Verfügung steht. Wenn ja, sind die Folgen eines Gentransfers abzuschätzen: Kann etwa das Fremdgen für die Wildpflanze bedeuten, dass sie sich gegenüber anderen Pflanzenarten besser durchsetzen kann? Welche Folgen hat es, wenn sich etwa Herbizidresistenz-Gene in Wildarten ausbreiten?