Rückblick auf die BMBF-TTN-Klausurwoche "Grüne Gentechnik - Zwischen Forschungsfreiheit und Anwendungsrisiko"

Das Institut TTN veranstaltete vom 21. - 26. Februar 2011 eine durch das BMBF geförderte wissenschaftliche Klausurwoche zum Thema: "Grüne Gentechnik: Zwischen Forschungsfreiheit und Anwendungsrisiko“ auf Gut Schönwag. Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler waren eingeladen, sich mit dem gesellschaftlichen Wert der Forschungsfreiheit strukturiert auseinanderzusetzen und sich im interdisziplinären Diskurs über die normativen Grundlagen der Forschungsfreiheit auszutauschen und ihren Wert zu begründen.

Im Zentrum der Klausurwoche standen die normativen Voraussetzungen der Gewährung der Forschungsfreiheit angesichts konkreter Risikotechnologien, wie zum Beispiel der Diskurs um die gentechnisch veränderte Maispflanze MON810. Es wurde untersucht, ob und aufgrund von welchen Risiken die Freiheit der Forschung eingeschränkt werden darf oder nicht. Die Teilnehmer stellten im Verlauf der Woche Thesenpapiere vor, die im Anschluss diskutiert wurden. Externe Experten hielten zu den thematisch gegliederten Schwerpunkten Referate, die ebenso wie die Workshops einen wichtigen Platz einnahmen. Insbesondere fokussierten sich die Diskussionen während der Klausurwoche zunehmend auf die Frage,  wie die Einführung sozioökonomischer Kriterien in die Bewertung der Technologie Eingang finden kann, welchen Beitrag die jeweilige Disziplin hierfür leiten kann und welche Vorteile und Schwierigkeiten sich hieraus ergeben könnten.

Begründung der Forschungsfreiheit

Am ersten Tag der Klausurwoche widmeten sich die Teilnehmer den philosophischen Grundlagen der Forschungsfreiheit. PD Dr. Torsten Wilholt stellte grundlegende Zugänge und Begründungsansätze der Freiheit der Forschung vor und diskutierte sie in ihrer philosophischen Dimension. Im Rahmen dieses ersten Schwerpunktes wurden zudem die Beiträge von Dr. Thorsten Moos (Theologie) zu theologischen Aspekten der Forschungsfreiheit, Christian Dürnberger (Philosophie) über Naturbilder in Technologiediskursen und Moritz Menacher (Theologie) unter anderem zur Haltung der Kirchen und kirchlicher Funktionsträger zur Grünen Gentechnik vorgestellt.

Nach diesem philosophischen Einstieg führte das Programm am zweiten Tag in die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Forschungsfreiheit und grundsätzlichen Fragen naturwissenschaftlicher Forschung im Bereich der Grünen Gentechnik. Frau Prof. Inge Broer von der Universität Rostock leitete den Workshop „Divergierende naturwissenschaftliche Bewertungen der Grünen Gentechnik: Grundlagen biologischer Risikoanalyse“. Ziel war es, ein Grundverständnis für die Methoden der Biosicherheitsforschung zu erlangen und auf diesen Grundlagen die unterschiedlichen Ergebnisse naturwissenschaftlicher Untersuchung der Grünen Gentechnik besser einordnen zu können. Dr. Stefan Rauschen, Dr. Thomas Ott und Christian Prasch vertieften in ihren Vorträgen naturwissenschaftliche Fragestellungen und thematisierten auch ihren Stellenwert in der gesellschaftlichen und ethischen Diskussion.

Risikowahrnehmung in der Gesellschaft

Am Nachmittag folgten mit Dr. Jürgen Hampel vom Institut für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart und Dr. Jobst Conrad (Technik- und umweltbezogene Sozialforschung) Darstellungen zu Innovationsdynamiken und den sozialen Diskursen bei neuen Technologien. Dabei ging es besonders um die Diskrepanz von Risikobewertung und Risikowahrnehmung.

Der dritte Tag beleuchtete mit dem Schwerpunkt zu Rechtswissenschaften die juristischen Aspekte des Spannungsfeldes. Dr. Dr. Ino Augsberg von der LMU München referierte über den grundgesetzlich verankerten hohen Stellenwert der Forschungsfreiheit und ihren gesellschaftlichen Nutzen. Im Folgenden erläuterten Sebastian Mielke (Jura) und Thomas Schwabenbauer (Jura) die Stellung des Gentechnikgesetzes und die verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen der Debatte um die Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen.

Der Nachmittag wurde von Dr. Steffi Ober, Referentin für Gentechnik und Naturschutz des NABU (Naturschutzbund Deutschland) und

Barbara Brandl, Soziologin an der LMU München mit ihren Beiträgen bestritten. Sie thematisierten sowohl Standpunkte aus der Perspektive einer nicht-staatlichen Organisation als auch die Rolle der Biotechnologie vor dem Hintergrund des historischen Transformationsprozess der Landwirtschaft.

Danach wurden in einem Workshop, geleitet von Dr. Stephan Schleissing und Dr. Herwig Grimm, Zwischenergebnisse und Fragestellungen festgehalten. Hier wurde ein roter Faden anhand von Thesen erarbeitet, welche die Ergebnisse bündelten und strukturierten.

Der vierten Tag der Klausurwoche wurde mit  Vorträgen von PD Dr. Rolf Meyer und Dr. Martin Knapp (beide vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse Karlsruhe) eröffnet. Dabei ging es vor allem um die Rolle der Technikfolgenabschätzung im gesellschaftlichen Diskurs um die Grüne Gentechnik.

Beispiel Wissenschaftskommunikation: Exkursion ins Deutsche Museum

Am Nachmittag brachen die Teilnehmer auf zu einer Exkursion ins Deutsche Museum nach München. Unter der Leitung von Dr. Sabine Gerber-Hirt gab es eine Führung durch die Ausstellung „Nanotechnologie und Biotechnologie“ und danach einen Workshop zum Thema „Wissenschaftskommunikation“ in dem diskutiert wurde wie wissenschaftliche Erkenntnisse und neue Technologien vermittelt werden können.

Am vorletzten Tag der Klausurwoche referierte Juliana Veit über die EU-Strukturen der Einflussnahme von Interessensgruppen durch Lobbying im Bereich der Grünen Gentechnik und steuerte durch diese politikwissenschaftliche Sicht einen Beitrag zur Diskussion um den Ort und Gestaltung von Aushandlungsprozessen im Bereich der Grünen Gentechnik bei. Die Teilnehmerbeiträge wurden durch die Vorträge von Dr. Axel Siegemund (Theologie) und Daniel Gregorowius (Umweltethik) abgeschlossen. In den anschließenden Diskussionen  ging es nun vor allem um das Verständnis von Ethik und naturwissenschaftlichem bzw. theologischen "Weltbild" und ihre Rolle bei der Urteilsbildung im  Risikodiskurs.

Der Freitagnachmittag und –abend gehörten ganz der  Diskussion. Bis tief in die Nacht arbeiteten die Teilnehmer Ergebnisse und Thesen aus, die in Kürze auch hier vorgestellt werden. Der Samstag diente schließlich noch der Zusammenfassung und  Absprachen zur Publikation der Beiträge und Projektergebnisse.

Dank an die Teilnehmer

Ein herzlicher Dank geht an alle Teilnehmer und Referenten, die trotz des schwierigen Themas zu dem außerordentlich guten Gelingen der Klausurwoche beigetragen haben.



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