Aus der Perspektive der Ethik: "Energie aus Biomasse in Bayern" (Forschungsprojekt)

Das Forschungsprojekt "Technologische Innovation und gesellschaftliche Verantwortung – Herausforderungen der bayerischen Landwirtschaft bei der Bereitstellung von Bioenergie angesichts des Klimawandels" ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Institut TTN und dem Technologie- und Förderzentrum (TFZ) im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert.

Buch "Energie aus Biomasse - ein ethisches Diskussionsmodell"

Die Resultate des Forschungsprojekts liegen in Buchform vor: Das Buch liefert erstmals auch eine fundierte, klare und gut verständliche Analyse und Diskussion der ethischen und kulturell-emotionalen Aspekte von Energie aus Biomasse. Es diskutiert die Frage der Verantwortung und bringt naturwissenschaftliche und ethische Expertise in einen fruchtbaren Dialog. Vergleichende Fallstudien und Szenarien sorgen für die praktische Anbindung an die derzeitige landwirtschaftliche Praxis.

Link zum Buch: "Energie aus Biomasse - ein ethisches Diskussionsmodell"




Ziele des Projektes

Um die Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung als zukunftsfähige Technologie zu etablieren, ist es nötig, nicht nur die ökonomischen Ziele, sondern auch ethische Gesichtspunkte zu reflektieren, die die gesellschaftliche Verantwortung und öffentliche Wahrnehmung der Landwirtschaft prägen. Das interdisziplinäre Projekt widmet sich diesem komplexen Themenfeld und  verfolgt vorrangig vier Ziele:

  • Erstens das komplexe Themenfeld des Konfliktes übersichtlich zu strukturieren.
  • Zweitens das Thema "Energie aus Biomasse" in all seinen ethisch relevanten Aspekten zu reflektieren und zu diskutieren.
  • Damit will das Projekt drittens einen Beitrag zur Versachlichung der hochemotionalen Debatte leisten, über eventuelle Missverständnisse und Fehlinformationen aufklären und so insgesamt zum Abbau von Misstrauen und zum Aufbau einer fruchtbaren Kultur des Dialogs beitragen.
  • Und schließlich soll viertens dadurch insgesamt für die Akteure – für den Landwirt ebenso wie für den Bürger oder Politiker – Orientierung in einem hochkomplexen Feld gestiftet werden.

Die vier Projektphasen

Das Projekt ist in vier aufeinander aufbauende Projektphasen gegliedert: (1) Die erste diente der Erhebung der aktuellen Situation via eines Experten-Delphis. (2) Aufbauend auf diese Ergebnisse wird im zweiten Schritt eine "Ethical Matrix" erarbeitet, mit deren Hilfe eine strukturierte und übersichtliche Analyse der moralisch relevanten Aspekte konkreter Technologien im Bereich der Biomassegewinnung möglich sein wird. Dabei werden insbesondere die gesellschaftliche Verantwortung der Landwirtschaft Bayerns und die Bewertung dezentraler Nutzung von Bioenergie im Zentrum stehen.

Da sich im Expertenvotum der Delphi-Studie klar abzeichnete, dass nur eine fallspezifische Bewertung wissenschaftlich solide durchgeführt werden kann, werden hierfür (3) praxisnah zwei Fallbeispiele entwickelt. Ziel ist es, ein praxistaugliches Instrument für die ethische Analyse dieser Fallbeispiele zu konzipieren. Das so entwickelte Instrument wird in einem Expertenworkshop zur Diskussion gestellt. Der dritte Projektabschnitt wird sich auf die Untersuchung realistischer Szenarien mit Hilfe der entwickelten "Ethical Matrix" fokussieren.  (4) Schließlich wird im vierten Schritt das Forschungsprojekt in Form einer Bürgerkonferenz in die gesellschaftliche Debatte eingebunden.

1. Phase: Das Experten-Delphi

Das Experten-Delphi der ersten Projektphase wurde im Zeitraum von August 2008 bis März 2009 durchgeführt. Der einberufene Expertenkreis, bestehend aus Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachrichtungen und Arbeitsgebiete, setzte sich mit der zentralen Frage auseinander, ob und unter welchen Bedingungen Energie aus Biomasse eine passende Antwort auf die drängenden energie-, gesellschafts- und umweltpolitischen Fragen unserer Zeit bedeuten kann.

Der Abschlussbericht des Delphis ist hier online abrufbar.

2. und 3. Phase: Ethical Matrix - ein ethisches Diskussionsmodell

Die Projektphasen 2 und 3 sehen vor, ein ethisches Diskussionsmodell für Energie aus Biomasse zu entwickeln, welches dann an Fallbeispielen angewandt werden soll. Das Projekt hat hierzu ein dreistufiges Modell entwickelt: In einem ersten Punkt wird der Energiepflanzenanbau und ihrer Verwertung umweltethisch diskutiert, in einem zweiten Punkt wird Energie aus Biomasse hinsichtlich seiner sozialethischen Bedeutung erörtert, bevor in einem dritten Schritt zentrale, die Debatte prägende kulturelle Wertvorstellungen identifiziert und auf ihren ethischen Gehalt geprüft werden.

Der Zwischenbericht (mit der Darlegung des entwickelten Diskussionsmodell) wird mit 1. Oktober dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vorgelegt werden und voraussichtlich 2011 in Buchform erscheinen.

4. Phase: Adaptation für die Praxis 

In Arbeitspaket 4 wird es darum gehen, die im Projekt entwickelten Methoden und ge-wonnenen Erkenntnisse für die Praxis umzusetzen. Erstens ist anvisiert, ein Workshop-format zu entwickeln, das es Praktikern – vor allem dem Landwirt und dem landwirt-schaftlichen Berater – ermöglicht, sich mit Befürwortern und Kritikern von Bioenergie „an einen Tisch zu setzen“ und in einen konstruktiven, transparenten Dialog auch über die ethisch-kulturellen Aspekte des Anbaus und der Verwertung von Biomasse für Energie zu treten.

Zweitens ist geplant, eine Informationsbroschüre zu erstellen, die ein breiteres Publikum (den „Bürger von der Straße“) über die ethisch-kulturellen Aspekte des Anbaus und der Verwertung von Biomasse zu Energiezwecken aufklärt und so zur dringend erforderli-chen Versachlichung der gesellschaftlichen Debatte über Energie aus Biomasse beiträgt.

Publikationen und Präsentationen des Projektes